Salamina 06 / 2019

Valle de Cocora Tour – die Alternative

Salamina und seine Quindío Wachspalmen

Die Alternative zur bekannten Valle de Cocora Tour in Kolumbien.

Um all die Seiten die Kolumbien zu bieten hat kennen zu lernen, gehört eine Fahrt in die Zona Cafetera definitiv dazu. Sicherlich habt ihr schon von der Valle de Cocora Tour gehört, ein Tal, dass von riesigen Wachspalmen gezeichnet ist. Glücklicherweise gibt es auch ein deutlich unbesuchteres Gebiet, das mindestens genauso viel zu bieten hat. Um genauer zu sein hat das Tal sogar dreimal so viele Wachspalmen zu bieten – das Samaria Valley. Wir entscheiden uns dazu den ersten Stopp im kleinen Örtchen Salamina einzulegen, quasi das Tor zu dem Valle. Als wir die letzte Stunde der Fahrt anbrechen kommen wir auf zunehmend schottigere Pisten und die Dunkelheit bricht langsam ein. Leider fängt es nun auch noch an zu regen um die eh schon schlechte Sicht weiter einzuschränken. So kämpfen wir uns mit unserem Wagen den Weg zum Dorf hoch. 

Salamina und der erschwerte Weg zum Valle

Unsere Route durch den Süden Kolumbiens haben wir vorab geplant. Da wir uns nicht auf WLAN auf der Reise verlassen wollten haben wir die Unterkünfte bereits organisiert. Das Hotel Salamina stellt uns einen Parkplatz auf einer großen privaten Parking Fläche zur Verfügung. Das Zimmer hat einen unglaublich schönen Ausblick auf die umliegenden Berge. Es ist ziemlich frisch hier, also denkt an lange Hosen und Pullover und/ oder Jacke. Während es draußen aus Eimern schüttet, unterhalten wir uns mit den Besitzern die in unserem Alter sind. Seit einiger Zeit ist die Straße von Salamina zu dem Samaria Valley im Bau. Planmäßig sollte sie schon längst fertig gestellt sein (Stand 2019) doch das wird wohl noch ein bis zwei Jahre dauern. Wir wundern uns nicht, die Arbeiter die wir auf unseren Fahrten bisher gesehen haben waren meist am schlafen 😀 bei der Hitze teilweise und körperlich anstrengenden Arbeit auch keinem Übel zu nehmen. Das bedeutet nun für uns, dass wir jemanden mit einem Jeep finden müssen der uns seinen Wagen ausleiht oder uns dort hin fährt. Denn ohne die 60 Meter hohen Wachspalmen gesehen zu haben wollen wir dann doch nicht weiter fahren.

Wir dürfen die Küche benutzten und kochen zusammen mit den Besitzern. Am nächsten Morgen testen wir unser Glück und fahren mit unserem Kleinwagen zu der besagten Straße. Nach einigen Metern stecken wir schon fast fest, die Matschberge von den schweren Geräten sind so hoch und fest gefahren, dass wir umdrehen müssen.

„Steig nicht in fremde Autos ein…“

So streunen wir durch die Straßen auf der Suche nach einem 4×4 Wagen. Es sind bereits einige Jeeps unterwegs doch scheinen diese schon für eine Tour gebucht zu sein. So fragen wir hier und dort ohne Erfolg. Aus einem nahestehenden Wagen nehmen wir den Blick von einem älteren schick gekleidetem Herren war. Er beobachtet uns doch bleibt in seinem Wagen. So steht man nun da und wägt ab ob das jemand ist der einem vielleicht nur helfen möchte oder jemand der etwas ganz anderes plant. Schade, dass man sich bei solchen Gedanken erwischt aber meine Stiefmutter hat mir wohl zu viele Gruselmärchen aus ihrer Heimat Barranquilla erzählt.

Der Mann fährt näher an uns heran und lässt das Fenster runter, an seiner Hand leuchten zwei schwere Goldringe auf. „¿Necesitan ayuda?“ wir erzählen ihm, dass wir unser Auto nicht nutzen können um zur Samaria Valley zu gelangen und daher auf der Suche nach einem Jeep sind. Er fährt das Auto ran, steigt aus und bietet uns seine Hilfe an. Mit seinem feinen Anzug geht er auf ein paar, ihm wohl bekannte, Gesichter zu und bittet um einen guten Preis wie wir mitbekommen. Der Preis ist uns leider deutlich zu hoch und wir bedanken uns, wir werden noch irgendwo fündig. Doch er bietet uns an zu seinem Büro zu fahren welches drei Straßen entfernt ist, der Ort ist sehr klein also höchstens 2 Minuten Fahrt. Er arbeitet hier in der Stadtverwaltung und hat einen Chico der uns weiter helfen könnte.

Das Treffen auf den Bürgermeister Salaminas

Wir schauen uns kurz an und scheinen beide ein gutes Gefühl mit ihm zu haben und fahren mit ihm um die zwei Häuserecken. Wir müssen dazu sagen es war helllichter Tag, die Straßen gut besucht und unser Bauchgefühl hat gesagt, dass der Mann uns lediglich helfen möchte. Er telefoniert mit seinem Freund und teilt uns mit, dass wir noch 15 Minuten auf ihn warten müssten. Wir spazieren gemeinsam etwas auf den Straßen umher und er erzählt uns ein paar Geschichten, zeigt uns die Kirche auf dem Marktplatz, deutet auf eine Bildercollage vom letzten Karneval auf der auch zu sehen ist. Wie sich herausstellt ist der adrette Mann der Bürgermeister des kleinen Örtchens. Um uns irgendwie zu bedanken, laden wir ihn auf einen Kaffee und ein Croissant ein. Außerdem freut er sich sehr darüber, dass wir in unserem Reiseblog von Salamina berichten wollen. Wir unterhalten uns nett mit ihm über seine Familie und über das Salamina vor vielen Jahren. Er freut sich über Touristen die hier nicht so häufig hin kommen.

Sein Freund kommt mit dem Jeep vorgefahren und wir bekommen die Hin- und Rückfahrt für einen guten Preis von 30€. Wir kaufen dem Fahrer in unserem Alter noch ein paar Zigaretten so ist es ausgemacht und los gehts. 

Valle Samaria – Bosque De Palma

Die Fahrt zum Valle ist die pure Abenteuerstrecke. Wir fliegen fast aus den Sitzen des in die Jahre gekommenen Jeeps und krallen uns an den Halterungen fest. Besonders hinten hat man das volle Achterbahn vergnügen. Auf dem Weg über die Berge kommen wir bereits an den ersten großen Wachspalmen vorbei. Die Landschaft ist malerisch in ein sattes grün getunkt. Wir fahren an einer Hütte vor an der wir von den Besitzern des Grundstücks empfangen werden. Da die Tour kostenfrei ist bestellen wir ein Mittagessen für uns drei. Wir können uns jedoch nicht daran erinnern, dass es eine fleischfreie Variante gibt über Möglichkeiten hierzu müsstet ihr euch erkundigen.

Wir werden bei der Wanderung von einem der Angestellten begleitet der uns auf spanisch ein bisschen was zu den Palmen erzählt. Auf dem Land werden Kartoffeln angebaut und es gibt ein paar Weidetiere sowie ein Lama. Die Wachspalmen sind bis zu 60 Meter hoch und ragen etwas merkwürdig aus der grasigen Landschaft empor. Besonders wenn man sich einmal vor so eine Palme stellt und hoch schaut wird einem die Größe erst richtig bewusst. Wir nehmen weiter Pfad auf dem idyllischen Rundgang und kommen an einem kleinen Bach vorbei sowie an einer kleinen Brücke. Der Weg hat es in sich die Berge sind unglaublich steil, die Leute müssen hier richtige Arbeit leisten. Um Ungeziefer und Krankheiten von den Kartoffeln fern zu halten, besprüht einer der Männer die Pflanzen. Wir wechseln noch einmal den Guide bevor wir wieder an der Hütte ankommen. Das Mittagessen ist traditionell kolumbianisch mit Bohnen und Fleisch. Wir wecken nach einiger Zeit Felipe auf und machen uns wieder auf den Heimweg. Auf dem Weg halten wir in einem kleinen Örtchen und trinken gemeinsam einen „Tinto“. 

Tinto

Don’t Drink and Drive – in Kolumbien nennt man den kleinen schwarzen Kaffee, meist total überzuckert wenn man nicht rechtzeitig sin azucar sagt, Tinto. In Spanien bekommt man dafür ein Glas Rotwein doch als wir auf einer Raststätte in Kolumbien nach „un café“ gefragt haben wurde nur der Kopf geschüttelt „wir haben Tinto wenn es das ist was ihr sucht.“ 😉

Ein Abend mit neuen Freunden

Felipe erzählt uns noch wo heute am Freitagabend etwas los ist und eventuell sieht man sich später. Auf dem Zimmer angekommen sehnen wir uns nach einer heißen Dusche aber bis auf eiskalt kommt auch hier wieder nichts aus der Brause. Nach einem kleinen Abendsnack den wir uns in der Küche zubereiten ziehen wir los um ein Bierchen zu trinken.

Die Mädels sind richtig aufgebrezelt und laufen stark geschminkt in hautengen Kleidern über die Straßen zu der besagten Bar. Doch kommen wir kurz vorher an einer kleinen gemütlichen Bar vorbei die nicht so stark besucht ist. Wir entscheiden uns, uns erst mal hier unter das Salamina Volk zu mischen. Es dauert nicht lange da geraten wir in die erste Unterhaltung. Wo kommt ihr her? Was macht ihr hier? Wie gefällt es euch? Ach ihr kennt Señior Esteban? Der ältere Herr ist hier natürlich bekannt wie ein bunter Hund. Wir ärgern uns, dass wir vergessen haben ein Bild mit dem hiesigen Prominenten zu machen.

Eine Minute später werden wir mit an den Tisch der zwei Männer eingeladen und ehe wir uns versehen stehen die ersten Rum Cola auf dem Tisch. So geht eine Runde um die nächste, welche Gruppe wen bereits öfter eingeladen hat ist nicht mehr sicher und das Spanisch geht immer besser von den Lippen. Die zwei Frauen der ansässigen Männer kommen später dazu und wir haben einen super lustigen Abend mit der Truppe. Die besagte Bar besuchen wir sicherlich irgendwann noch einmal. So oder so wir sind uns sicher, dass man sich immer zwei Mal im Leben über die Füße läuft. 

Der edle tropfen Rum rächt sich am nächsten morgen bei uns. Mit leichtem Kopfweh geht es weiter nach Salento um dort eine der Kaffeefarmen zu besuchen.

Fazit Valle Samaria – Alternative zur Valle de Cocora Tour?

Um den großen Touristen Strömen zu entkommen und einen wunderschönen Betrieb zu unterstützen, solltet ihr euch für das Bosque de Palma entscheiden. Zudem bietet euch das kleine Örtchen Salamina authentisches Kolumbien pur. Ob ihr nun spanisch könnt oder nicht wird egal sein, denn hier tragen die Menschen ihr Herz auf der Zunge.

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