Tag X

Was sollen wir sagen, wir platzen vor Aufregung und sitzen auf dem abgezogenen Bett Zuhause bei Mama, denn eine Wohnung haben wir nicht mehr einige viele Kartons stehen unten im Keller (wir hätten wirklich noch mehr aussortieren sollen) und flitzen noch schnell zum Briefkasten. Ein Brief vom alten Arbeitgeber für das Arbeitsamt flattert noch kurz vor knapp ein, schnell eintüten und an das Arbeitsamt senden, denn einen Job haben wir nicht mehr. Im Kopf geht man noch einmal alles durch haben wir an alles gedacht, also werden die letzten Sachen in die 40 Liter Handgepäck Backpacks gepackt zugezogen Schloss dran fertig, denn mehr werden wir in den nächsten – hoffentlich – 365 Tagen nicht mitnehmen. Eine schwierige Entscheidung jedes noch so kleine Teil wird hin und her bewertet, wie wichtig ist es? Wie praktisch? Wie unnötig? So fliegen 5 Teile raus und 1 Teil kommt in den Backpack. Das Gefühl ist unbeschreiblich eine Mischung aus „Endlich geht es los jetzt haben wir seit Monaten mit allen Freunden und Verwandten über diesen einen Tag X philosophiert, haben alles durchgekaut und es kommt einem fast so vor als wäre die Reise nur ein Märchen von dem wir immerzu erzählen, welches aber nie in Erfüllung geht. Also ENDLICH geht es los. Wir sind bereit!“ Oder vielleicht doch nicht? Ein paar mulmige Gefühle machen sich breit „Jetzt sind wir Arbeitslos und Obdachlos (natürlich nur übertrieben Danke Mama’s und Papa’s, dass wir bei euch unterkommen durften 1 1/2 Monate vor Abflug, das hat so vieles erleichtert) ist das also die richtige Entscheidung, das Leben in Deutschland ein bisschen auf’s Eis zu legen und einige Dinge wir Arbeit, Wohnung, Haus, Hab und Gut hinter sich zu lassen? Begeben wir uns damit nur in extreme Gefahrensituationen? Oder ist es eigentlich doch die genialste Entscheidung die wir je hätten treffen können? Fragen über Fragen die man häufig gestellt bekommt und die einem jeden Tag durch den Kopf schwirren, eine Stimme die immer lauter wird um so näher der Abflug rückt.

Sicherlich geht jeder anders mit großen Entscheidungen um, da wir für das Reisen brennen sind wir auch vor Wochenend-Städtetrips immer gespannt und freudig aufgeregt. Umzüge in andere Städte und damit verbundene Schulwechsel und Jobwechsel oder auch das Kennenlernen von neuen bekannten und Freunden haben wir schon öfter erlebt – das Gefühl von Ungewissheit gepaart mit der eigenen Motivation das durchziehen zu wollen ist schon besonders. Das Gefühl vor dieser Reise ist aber etwas ganz neues und so ein Long Island Cocktail aus Endorphinen, Dopamin, Noradrenalin und wie die ganzen Hormone nicht heißen. Mit dem frisch gemischten Cocktail im Körper geht es heute endlich los. Tag X ist gekommen. Das Essen kommt heute natürlich nicht sonderlich gut an, der Kaffee pusht nur noch weiter in die Höhe also einen Tee trinken und abwarten bis es los geht zum Flughafen.

Wir haben uns für einen Flug über Nacht entschieden. Von Frankfurt über Lissabon nach Rio de Janeiro in insgesamt 15 Stunden. Ankunftszeit ist Donnerstag der 7. März um 6 Uhr morgens in Rio, so bekommen wir zunächst 4 Stunden geschenkt. 🙂

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