Medellín 06 / 2019

Medellín – Kartelle? Gefährlich? So viel mehr als das!

Medellín – Grün wie die Hoffnung

Ist Medellín gefährlich? Beherrscht von Kartellen? Medellín’s Ruf ist längst überholt. Infos zu der Stadt mit dem wohl jüngsten Flair Kolumbiens findet ihr hier.

Der Anflug nach Medellín ist spektakulär. Das Land unter uns ist bergig und so saftig grün, dass man für diese Farbe eigentlich einen neuen Namen benötigt. Die Landung ist sanft und wir sind sehr aufgeregt was uns in der ehemals gefährlichsten Stadt der Welt erwartet. Wir sammeln unsere Backpacks ein und folgen den Schildern zu den öffentlichen Bussen. Ein Ticket kostet 2,50€ pro Person und die Fahrt dauert etwas über eine Stunde. Das letzte Stück zur Unterkunft fahren wir mit einem Uber. Unser AirBnB können wir leider nicht empfehlen, sonst hätten wir es euch verlinkt. Es war relativ gut gelegen nur waren sämtliche Einrichtungen kaputt und wir mussten an den zwei wertvollen Tagen die wir hatten 4 Stunden im Haus auf die Reparaturen warten. Sie hätten dies lieber erledigen sollen wenn gerade keiner im Apartment ist. Die Aussicht war dennoch sehr beeindruckend.

Die Aussicht von unserem AirBnB Balkon

Medellín – Comuna 13 Tour

Da wir nur einen vollen Tag in Medellín haben planen wir eine Walking Tour um mehr über die Stadt und vor allem die Bezirke zu erfahren. Die einstige Drogenmetropole hat sich einem starken Wandel unterzogen, zum riesigen Vorteil der Anwohner. Anfang der 90er Jahre fanden in Medellín mehr als 390 Morde auf 100.000 Einwohner statt und somit galt sie damals als die Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt. Viele Armutsviertel haben sich stark entwickelt und verfügen heute über Supermärkte, Schulen, ordentlichem Strom und Internetanschluss. Die wohl berühmteste Kommune die sich einem der drastischsten Wandel unterzogen hat ist die Comuna 13. Die Leute mussten damals dauerhaft in Angst und Schrecken leben, jederzeit hätten sie in ein Schussfeuer geraten können. Noch heute sieht man in vielen Wänden die Einschusslöcher. So war man in der Schule, auf dem Weg nach Hause selbst zuhause im eigenen Wohnzimmer nie sicher. Anfang 2000 wendete sich das Blatt nach einer grausamen Militäraktion die über Tage andauerte. Viele unbeteiligte kamen dabei ums Leben. Ein Jahr danach ergaben sich die Gruppen und zeigten den Willen sich in die Gemeinde eingliedern zu wollen.  

Gewohnheiten bleiben bestehen

Der Leiter der Gruppe ist in der Comuna 13 groß geworden und erzählt uns viele Geschichten. Noch heute hören die Kolumbianer besonders laut Musik, was uns vor allem in Barranquilla und in Brasilien aufgefallen ist. Er erklärt uns, dass seine Mutter ebenfalls das Radio voll aufdrehte um die Schüsse zu übertönen. Bei dem Gedanken bekommen wir Gänsehaut und sind dankbar, dass wir so behütet groß geworden sind.

Medellín neue Wege

Dank des Metrocables werden die ärmeren Viertel mit der Innenstadt verbunden, vorher war der Weg in die Stadt lang und beschwerlich. Die Möglichkeit für die ansässigen Kinder in die Schule zu gehen und sich zu bilden somit fast unmöglich. Die Anwohner können heute einer Arbeit in der Innenstadt nachgehen und können dort auch nötige medizinische Hilfe erhalten. Allein dadurch hat sich die Lage in Medellín zwischen Arm und Reich wieder ein Stück verbessert.

In der Comuna 13 wurden sogar Rolltreppen installiert und so kann man die Häuserbehangenen Höhen ganz entspannt und vor allem schnell überwinden. Vor kurzem wurde das erste Hotel in der Comuna eröffnet, in welchem man einen tieferen Einblick in das Viertel bekommt. 

Local Stars

Auf der Tour werden immer wieder lokale Kids und Jugendliche eingebunden. Zwei kleine Jungs erklären die Grafittis, zwei Männer legen eine Rapeinlage hin und bieten ihre Tracks auf CD an, ein kleines Hip Hop Battle wird von einer Truppe Jugendlichen durchgeführt und auf den Wegen kann man sich mit kaltem Wasser oder Mango-Bier an den vielen Ständen erfrischen.

Die Tour kann online gebucht werden, der Treffpunkt ist vor der Metrocable Station Estación Metro San Javier, von dort nimmt die Tour gemeinsam einen Bus hoch zur Comuna 13. 

Fahrt mit dem Metrocable

Wie bereits weiter oben erwähnt hat das Metrocable sehr positiv dazu beigetragen die Schere zwischen Arm und Reich zu schmälern und die zwei „Welten“ zu verbinden. Es war für die Anwohner in den armen Viertel damals sehr aufwendig in die Stadt mit Bussen zu gelangen. Somit haben viele Kinder keine Chance auf eine Ausbildung gehabt und viele Anwohner hatten keinen Job und die nötige medizinische Versorgung war weit entfernt. Heute können die Anwohner das Metrocable nehmen.

Wir können euch die Fahrt von der Station San Javier nur ans Herz legen, wenn ihr denkt ihr seid schon am Ende angelangt seid ihr wahrscheinlich gerade erst bei der Hälfte angekommen. Die Seilbahn überwindet einige Berge und Taale sowie einen Fluss. Bei einem Blick nach unten sieht man die Wellblech Häuser die auf den Hängen gebaut sind. Teilweise hat man sehr intime Einblicke wenn das Dach zum Beispiel fehlt, so schauen wir lieber in die Ferne und staunen über den Ausblick. Doch überzeugt euch einfach selbst, die Fahrt dauert geschlagene 11 Minuten.

Abendessen mit Wiedersehen

Abends treffen wir uns mit einem Freund aus Frankfurt, der gebürtige Kolumbianer lebt hier in Medellín. Endlich lernen wir auch seine Freundin kenne, die zwei haben in der Zeit eine Fernbeziehung geführt und sind nun wieder vereint. Wir gehen in das angesagte Viertel El Poblado um dort traditionelle kolumbianische Gerichte mit modernem Touch bei Alambique zu probieren. Die zwei müssen morgen wieder arbeiten und wir wollen morgen unseren Roadtrip durch den Süden Kolumbiens starten, daher gehen wir früh nach Hause. Dennoch kann man hier auch sicherlich gut feiern gehen.

Roadtrip

Da wir am Tag der Auto Rückgabe nach Costa Rica fliegen, haben wir uns für die Mietwagenfirma Localiza am Flughafen entschieden. Das Unternehmen kooperiert zusammen mit Hertz. Unser Plan ist es in 7 Tagen über die Zona Cafetera bis zur Desierto de la Tatacoa zu fahren. Die Kosten für den Mietwagen belaufen sich auf 1.094.348 COP sprich 295€ inklusive der Standart Versicherung. Letztendlich legen wir 1.500km zurück teilweise über Mautstraßen, welche uns weitere 52€ kosten. Benzin ist hier deutlich günstiger als in Deutschland und so geben wir 82€ für die 1.500km aus.  

Tipp: ladet euch die Google Offline Karten für die Regionen herunter die ihr benötigt, denkt an einen USB- Adapter für den Zigarettenanzünder sowie eine Handyhalterung oder auch eine AUX Kabel um euch das Navigieren und Musikhören zu erleichtern. Wir haben uns für eine Gorilla Halterung für das Handy entschieden da man sie auch als kleinen Stativ/ Tripod verwenden kann.

Fazit – Medellín unsere Lieblingsstadt Kolumbiens:

Eine Stadt die sich in den letzten Jahrzehnten einem so starken Wandel unterzogen hat, dass man an vielen Orten Gänsehaut bekommt. Dieser Teil der Geschichte Medellín’s ist noch ganz jung und die positive Energie und die Motivation der Bewohner wird euch mitreißen. Tradition trifft auf moderne, diese Stadt solltet ihr euch auf der Reise durch Kolumbien nicht entgehen lassen. Mit einem gesunden Verstand, werdet ihr auf Menschen treffen die euch weiterhelfen sobald ihr einmal verwirrt drein schaut. Drei Tage sind ein guter Zeitraum, wenn ihr genügend Zeit mitbringt ist eine Woche sicherlich spannender.

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