Ilha Grande – 03 / 2019

Kleine Insel – Große Eindrücke

Erfahrt mehr über die Ilha Grande: einsame Strandabschnitte, Bootsausflüge mit Delfinen, frische Früchte, Junglegeräusche zum einschlafen sowie entspannte Inselbewohner.

„Komm’ wir versuchen das Ticket über die Self-Service Schalter zu kaufen.“ So konnten wir noch zwei der letzten vier Sitze für den Bus nach Angra dos Reis ergattern. Die anderen Leute in der Schlange mussten leider zwei Stunden auf den nächsten Bus warten – sorry.

Die Busse sind sehr komfortabel und klimatisiert zudem lernt man immer Leute kennen, in unserem Fall ein Brasilianer in unserem Alter der seine Eltern in Paraty besuchen fährt, welche sich dort zur Rente niedergelassen haben. Sie leben nun dort und entdecken den inneren Hippie in sich, erkunden die Natur, lernen viel über Fauna und Flora und haben sich zwei Hunde zugelegt, die nur zum Fressen in die Nähe des Hauses kommen und sonst nur auf Streife sind. So tauscht man sich über Land und Leute aus, über Dialekte in Deutschland (er bereiste Leipzig und Köln) und über die Einflüsse die Portugiesisch genommen hat und warum es für viele Leute oft Russisch klingt. Ein gutes Beispiel war der Satz:“Ich habe mein schwarzes Feuerzeug in der Ecke auf dem Schulhof vergessen.“ „Deixei o meu isqueiro escuro no recanto do recreio da escola.“ Bei dem jedes zweite Wort ein scharfes SCH beinhaltet und so für den einen oder anderen etwas russisch klingen könnte. Zudem scheint es für Spanier schwieriger zu sein Portugiesisch zu verstehen als umgekehrt – vielleicht wie bei uns mit Schwyzerdütsch?!

Fischerboote statt Touri-Speedboote

Nach gut drei Stunden kommen wir am Busbahnhof in Angra dos Reis an und hieven unsere Backpacks aus dem Bus Frachtraum. Der verschlafene Engländer neben uns verliert seine SIM Karte und ein paar Reais, so verpeilt wie er ist bekommt er es gar nicht mit aber es erklärt sich gleich jemand bereit und pickt es für den Übernächtigten vom Boden auf. Der nette Kerl trägt ein „Mercedes Benz“ Trikot und scheint überaus eindeutig aus Stuttgart zu kommen. Wir kommen ins Reden und so teilen wir uns ein Uber um zusammen zum Hafen zu fahren. Vorab haben wir mit einem Fischersmann gesprochen, welcher um 14:00 Uhr vom Hafen auf die Ilha Grande schippern soll. Der kleine Informationsstand teilt uns jedoch mit, dass heute kein Schiff fährt. Verdammt und nun?! Müssen wir hier eine Nacht bleiben?! Als wir von dem Lancha de Pesco erzählen, weißt er uns einem vorbeilaufenden Mann zu der uns freudestrahlend entgegen nimmt und uns zu dem hinteren Bereich des Hafens nimmt. Auf Spanisch erklärt er uns, dass wir einfach über die verschiedenen Fischerboote steigen müssen um auf unser Boot zu gelangen. Es liegen bestimmt um die 20-30 Fischerboote, Seite an Seite gereiht bereit um abzulegen. Die Boote sind gefüllt mit haltbarem Essen, Drogerieartikeln und anderen Kleinigkeiten wie zum Beispiel Waschmaschinen o.ä. Mit uns an Bord sind ausschließlich Bewohner der Insel, die auf das Festland zum Einkaufen gefahren sind. Die Überfahrt ist total entspannt und dauert ungefähr eine gute Stunde. Der Bootsführer lässt uns extra an unserem Pier raus und wünscht uns einen schönen Aufenthalt.

Überfahrt mit dem Fischerboot

Pousada Llagamar

Vom Pier aus geht es NUR über den Strand vorbei an ein paar Häusern und Restaurants auf den Track, der hoffentlich zu der Pousada führt. Mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken und den Wanderstiefeln an den Füßen schlendern wir nicht allzu entspannt, durch die pralle Mittagssonne.

Nach ein paar falschen Abbiegungen kommen wir an dem Schild „Pousada Llagamar“ an. Wir sind so glücklich endlich anzukommen, schnell aus den durchnässten Klamotten raus, duschen und Moskito Spray auflegen denn die kleinen Blutsauger haben sich schon über das deutsche Buffet her gemacht.

Leider falsch gedacht, die überaus freundliche und liebe Frau an der Rezeption erklärt uns in aller Ruhe alle Details zur Insel und ein Zettel muss auch ausgefüllt werden. So klatschen wir uns auf alle Körperteile, der Inselplan saugt sich am Arm fest und die feuchte Luft atmen wir japsend auf. Endlich geschafft ab zum Zimmer. Kaum frisch geduscht entdecken wir schon die ersten 10 Stiche und es klopft an der Tür:“Chicos lo siento es el incorrecto quarto. Hay un otra quarto. Disculpe.“ Ok schnell Mückenspray drauf und ab in unser eigentliches Zimmer, welches um einiges schöner ist. Eine Hängematte mit Blick auf das Meer, eine Klimaanlage und ein zusätzliches Hochstockbett welches wir mit unserem Zeug beladen können. Perfekt!! Jetzt kann unserem feuchten Aufenthalt auf dieser schönen Insel nichts mehr entgegen stehen.

Unsere Terrasse mit eigener Hängematte und Ausblick durch den Jungle auf das Meer – Traumhaft

Die Pousada ist super schön, vielen Dank an Hannah und Max für die Empfehlung. Die einzelnen Häuser verteilen sich entlang dem Hügel, welche über kleine steinige Wege und Stufen verbunden sind. Jede Terrasse ist mit einer bunten Hängematte geschmückt. Die Insel kann man am besten über die tracking Wege oder mit geführten Bootstouren erkunden. 

Praia Vermelha

Da wir schon ein paar Stunden Anreise auf dem Buckel haben, suchen wir hungrig nach etwas leckerem. Drei Restaurants stehen am Strandabschnitt Praia Vermelha zur Auswahl. Ein etwas schickeres Restaurant, ein Italiener und ein Restaurant scheinbar ohne Namen. Für das namenlose entscheiden wir uns, hier wummern keine Charts und die locals trinken hier auch ein Cerveja. Geführt wird das Restaurant von einem älteren Mann aus Südafrika, der sich hier auf der Insel vor ca. 30 Jahren niedergelassen hat. Der frittierte frisch gefangene Fisch (Zungenbrecher) schmeckt sehr gut und die mit Käse überbackenem Pommes machen direkt satt. Zum Menü gehört auch ein Wasserspray um die Katzen vom Essen fern zu halten, doch sie gehen nicht ganz leer aus, die Greten bekommen sie nachdem wir fertig sind vom Besitzer. Die Rechnung haut uns erstmal um 150 Reais für eine Mahlzeit und je eine Flasche Wasser und Bier. Eine 1,5L Flasche Wasser kostet 10Reais, bei einem Verbrauch von mindestens 3 Liter am Tag, nicht gerade ein schnapper. Doch daraus haben wir für spätere Reisen zu etwas abgeschotteteren Zielen dazu gelernt (zB Pantanal).

Ziemlich erschöpft fallen wir um 18 Uhr ins Bett direkt nach dem wir den wohl aller aller besten Açai von Hose zubereitet bekommen haben. Jeden Reais von den 15 Wert!! Bisher haben wir keinen besseren bekommen. Rosi ist auch wieder früh am morgen schon auf den Beinen, wohl gegen 6-7 Uhr und bereitet das Frühstück für uns zu. Der Kampf gegen die „Hängebeinfliegen“ wie wir sie nett getauft haben ist nicht zu unterschätzen. Mindestens 100.000 Hängebeinfliegen machen sich über das Frühstück her. Daher hat Rosi einen Trick 17 und stellt einige Teller mit Zucker und Honig auf, eine Köstlichkeit den die Fliegen nicht widerstehen können. Die Teller deckt sie dann nach einer Zeit mit Klarsichtfolie ab und stellt die Zuckerfliegen-Teller in die Küche. Sie lässt sie nach dem Frühstück wieder alle frei berichtet sie uns. Da ist es den Fliegen nicht zu verübeln, das leckere Frühstück würden wir uns auch nicht entgehen lassen. Obst, frische Säfte, Brötchen und jeden morgen selbst gebackenen Kuchen ob Karotte, Kokos oder Schoko alle soooo gut! Wir haben allen Respekt vor Rosi, sie ist non stop am arbeiten und putzt sogar noch die Zimmer. Wirklich Wahnsinn. Bei einem Plausch erzählt sie uns, dass sie 20 Tage im Jahr frei hat und dann ihre Familie besuchen fährt sonst ist sie jeden Tag der Woche hier am arbeiten und empfängt ihre Gäste als seien es Verwandte die ihre Tante besuchen kommen. Wir haben uns pudelwohl gefühlt und sind jeden Abend gegen 18-19 Uhr mit den Geräuschen des Jungels eingeschlafen.

Sonne, Sand und Meer

Direkt unmittelbar von der Pousada ist ein wunderschöner kleiner Strandabschnitt der durch einen 10-minütigen Wanderweg erreichbar ist, Praia de itaguaçu. Meist war er komplett unbesucht, dennoch sieht man die Spuren die wir Menschen hinterlassen stark. Jeden Tag den wir am Strand waren haben wir mindestens eine Tüte voll Plastikmüll eingesammelt, der an das Meer angespült wurde. Von ganzen Raumduftspray Dosen, über Glühbirnen oder gesamte Outfits von Schuhen bis Capis haben wir alles gesammelt und in dem Mülleimer entsorgt. Hoffentlich wir der wenigstens ordentlich entleert. 

Wahrscheinlich habt ihr schon von den neuen Tauchermasken gehört, mit denen man etwas aussieht wie auf einer Mondmission und es stimmt alles positive was ihr dazu gehört habt. Die Masken sind genial!! An den verschiedenen Strandabschnitten können wir entspannt durch Mund und Nase atmen und die Fische beobachten die um uns herum schwirren. Eine Schildkröte sehen wir leider nicht, dafür auf einer Bootsüberfahrt eine kleine Gruppe Delfine.

Es gibt hunderte Strandabschnitte die man zu Boot oder Fuß erreichen kann, sehr gut hat uns der Praia Aventureros gefallen mit seiner sehr einzigartigen Palme in L Form. Zudem gibt es auch einen Wasserfall und eine Grotte die gut zu Fuß zu erreichen sind.

Nach fünf Tagen in der Natur sind wir etwas wehleidig die Pousada schon zu verlassen doch auch etwas froh nicht mehr dauerhaft der Feuchtigkeit ausgesetzt zu sein. Die Kleidung wird alleine durch das herumliegen schon nass und auch Kopfkissen und Decke sind durch die Nacht weg ohne Ausnahme klamm. Auf dem Rückweg nehmen wir das Speedboot am morgen und erwischen wieder haarscharf den Bus nach Rio.

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